Wie lässt sich die räumliche Geometrie eines Moleküls mit dem EPA- (VSEPR-) Modell vorhersagen?
Wähle ein Molekül, drehe das 3D-Modell und bestimme dann seine Geometrie.
Molekülgeometrie nach dem EPA-Modell (Elektronenpaarabstoßung)
CO₂
?
Welche Geometrie hat das CO₂-Molekül?
Aufgaben
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Das Elektronenpaarabstoßungs-Modell
Das EPA-Modell sagt die räumliche Gestalt eines Moleküls voraus –
allein aus der Zahl der Elektronenpaare am Zentralatom. Mehr braucht es nicht: keine Rechnung,
keine Messung. Das deutsche Kürzel EPA steht für
Elektronenpaarabstoßung, das international gebräuchliche VSEPR
für Valence Shell Electron Pair Repulsion. Beide bezeichnen dasselbe Modell,
1957 von Ronald Gillespie und Ronald Nyholm formuliert.
1 Der Grundgedanke
Elektronenpaare sind negativ geladen und stoßen einander ab. Um das Zentralatom ordnen
sie sich deshalb so an, dass sie größtmöglichen Abstand
voneinander haben. Wo die Elektronenpaare liegen, dort liegen auch die Bindungspartner –
und damit steht die Gestalt des Moleküls fest.
2 Gezählt werden Bereiche, nicht Paare
Ein Elektronenpaar-Bereich ist alles, was von einer Stelle des Zentralatoms
ausgeht: eine Einfachbindung, eine Doppelbindung, eine Dreifachbindung oder ein freies
Elektronenpaar. Entscheidend ist: Eine Mehrfachbindung zählt als ein Bereich,
denn ihre Elektronenpaare zeigen alle in dieselbe Richtung.
Das CO2-Molekül hat deshalb zwei Bereiche, obwohl das C-Atom vier
bindende Elektronenpaare trägt. Das Ethin-Molekül hat an jedem C-Atom ebenfalls zwei
Bereiche – eine Einfach- und eine Dreifachbindung.
3 Freie Elektronenpaare brauchen mehr Raum
Ein bindendes Elektronenpaar wird von zwei Atomkernen angezogen und liegt schlank
zwischen ihnen. Ein freies Paar gehört nur zu einem Kern und breitet sich
weiter aus. Es drängt die Bindungen stärker zur Seite, als diese einander drängen.
Deshalb sinkt der Winkel mit jedem freien Paar: 109,5° beim Methan-Molekül,
107° beim Ammoniak-Molekül mit einem freien Paar, 104,5° beim Wasser-Molekül
mit zweien.
4 Die Grundformen im Überblick
Bereiche
davon frei
Gestalt
Winkel
Beispiele
2
0
linear
180°
CO2, CS2, Ethin
3
0
trigonal-planar
120°
BF3, SO3, Methanal, Ethen
3
1
gewinkelt
ca. 118°
SO2, Ozon
4
0
tetraedrisch
109,5°
CH4, CCl4, SiH4
4
1
trigonal-pyramidal
ca. 107°
NH3, PH3, NF3
4
2
gewinkelt
ca. 105°
H2O, H2S
Die Gestalt beschreibt immer nur die Lage der Atome. Beim
Wasser-Molekül sind vier Bereiche tetraedrisch angeordnet – sichtbar sind aber nur
die beiden Bindungen, und die stehen gewinkelt.
5 Wenn die Werte abweichen
Das Modell sagt die Gestalt zuverlässig voraus, den genauen Winkel
nur ungefähr. Drei Einflüsse verschieben ihn:
Größe des Zentralatoms. Beim H2S-Molekül sitzen
die H-Atome weiter entfernt, die Bindungspaare stoßen einander schwächer ab:
92° statt 104,5°. Ebenso beim PH3-Molekül mit 93°.
Elektronegativität der Partner. Beim NF3-Molekül
ziehen die F-Atome die Bindungselektronen zu sich; die Bindungspaare sitzen weiter vom
N-Atom entfernt und stoßen einander schwächer ab – 102° statt 107°.
Doppelbindungen beanspruchen etwas mehr Raum als Einfachbindungen.
Beim Methanal-Molekül beträgt der H–C–H-Winkel deshalb nur etwa 116°,
der H–C=O-Winkel dagegen etwa 122°.
6 Grenzformeln bei SO2, SO3 und Ozon
Diese drei Moleküle lassen sich nicht mit einer einzigen Formel beschreiben. Gezeigt
wird jeweils eine Grenzformel mit einer Doppel- und Einfachbindungen; darin
tragen einzelne Atome Formalladungen. In Wirklichkeit sind alle
S–O- beziehungsweise O–O-Bindungen gleich lang. Für die Gestalt spielt das
keine Rolle: Die Zahl der Bereiche bleibt dieselbe.
7 Was das Modell nicht leistet
Das EPA-Modell trifft keine Aussage über Bindungslängen, Bindungsstärken oder
Farben. Es erklärt auch nicht, warum Elektronenpaare sich abstoßen –
dafür braucht es Orbitalmodelle. Es ist ein Abzählmodell: Bereiche zählen,
Gestalt ablesen. Gerade darin liegt seine Stärke.
Zur Darstellung in dieser Simulation
Im 3D-Modell sind nur die freien Elektronenpaare des Zentralatoms
als Doppelpunkt eingezeichnet. Freie Paare an den äußeren Atomen – etwa an den
O-Atomen des CO2-Moleküls – beeinflussen die Gestalt nicht und bleiben
deshalb weg. Das Modell lässt sich mit gedrückter Maustaste oder einem Finger drehen und mit
dem Mausrad beziehungsweise zwei Fingern vergrößern. Die Lupe oben rechts öffnet
die Vollflächen-Ansicht; Drehung, Zoom und die Anzeige der freien Paare bleiben dort
bedienbar. Der Knopf „Rotation“ stellt Blickwinkel und Größe wieder her.